07 Nov

Tipping Point

tippingDer „Tipping Point“ ist jener magische Moment, wenn eine Idee, ein Trend, eine Mode oder ein soziales Verhalten eine Schwelle überschreitet, kippt und sich dann wie ein Flächenbrand ausbreitet. Wie kommt es dazu? Interessanter noch: Wie löst man diesen „Tipping Point“ aus? Das ist eine Frage, die nicht nur Werbefachleute und Designer interessiert, sondern auch Politiker und Polizisten. Gladwell bezieht sich in seiner Argumentation auf die Epidemiologie: Ideen und Verhaltensweisen, sogar das Verbrechen, breiten sich so aus wie Ansteckungskrankheiten, und man kann sie auch auf analoge Art bekämpfen.
Eines von Gladwells überzeugenden und immer amüsant vorgetragenen Beispielen ist der erstaunliche Siegeszug der Hush Puppies, eines Wildlederschuhs, in den Vereinigten Staaten. Ohne Zutun des Herstellers, allein durch Mundpropaganda, entwickelte sich dieser Schuh zu einem „heißen“ Modeartikel. Ein anderes Beispiel ist der rapide Rückgang der Verbrechensrate in New York und in anderen Städten der USA. Auch hier genügten bestimmte Eingriffe in die soziale Umgebung – wie etwa das Entfernen von Graffiti in der U-Bahn, das entschlossene Einschreiten der Polizei bei Bagatelldelikten -, um einschneidende Veränderungen im Verhalten hervorzurufen. Gladwell beschreibt im Detail, wie es der Stadtverwaltung von New York gelang, die Verbrechensrate innerhalb kurzer Zeit zu halbieren.
Wir neigen zu dem Glauben, dass nur groß angelegte Maßnahmen große Wirkungen erzielen können. Gladwell beweist das Gegenteil: Wer eine schlecht gehende Firma, eine Bekleidungs- oder Schuhmarke auf den richtigen Weg bringen will, wer soziales Verhalten ändern möchte, wer das Verbrechen bekämpfen will, kann auch mit kleinen, aber präzisen und nachhaltigen Maßnahmen Erfolg haben. Das ist die Botschaft dieses Buches, das unser konventionelles Denken erschüttern wird.